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themenausstellung
wörtherseeSAGEN
organisiert vom
kunstbund (x) im juli / august 2006
interpretiert
marcel ambrusch die sage vom wörthersee
"Sein
schonungsloser Blick durch das Objektiv lässt erahnen,
was einst zur Entstehung des Sees beigetragen haben könnte.
Er lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters
auf hemmungslose Lebenslust – oder Lebensfrust?
rund um den See, damals wie heute …"
DER WÖRTHERSEE -
die Sage
Der Wörthersee, der sich von Loretto bis Velden dehnt, ist
trotz seiner Schönheit ein unheimlicher Geselle, der
alljährlich seine Opfer fordert. Und wenn die Fischer an
stillen Sommerabenden an der Schwarzen Wand vorüber fahren,
kann es geschehen, dass sie ein Klingen und Läuten vernehmen,
das aus der Tiefe des Sees zu kommen scheint.
Wirklich erzählt eine alte Sage von einer Stadt mit
prächtigen Häusern, die vor vielen hundert Jahren da
gestanden haben soll, wo heute der Wörthersee liegt. Aber
ihre Bewohner waren durch ihren Reichtum übermütig und üppig
geworden. So kam es, dass sie sich einst am Vorabend des
Osterfestes zu Tanz und Gelage versammelten. Schon zeigte
Glockengeläute die späte Stunde an, doch niemand kümmerte
sich darum. Da öffnete sich die Türe des Festsaales und
herein schritt ein kleines eisgraues Männchen und blickte
verwundert auf die lärmende Gesellschaft. Grollend erhob es
seine Stimme: "O, ihr Schwelger, wisst ihr nicht, welche
Feier wir morgen begehen? Kehret heim, ehe die Stunde der
Buße verrinnt und die Strafe euch erreicht!" Aber nur
höhnisches Lachen antwortete ihm, und nur noch wilder
wirbelten die Paare im Tanz. Wenige Minuten vor Mitternacht
betrat der Alte zum zweiten Mal den Saal, aus dem das wüste
Geschrei der Trunkenen tönte. In seinem Arm hielt er ein
Fässchen. Noch einmal mahnte er zu Umkehr und Buße: "Sonst
öffne ich den Hahn des Fässchens, und Tod und Verderben kommt
über euch!". Wieder antwortet ihm nur rohes Gelächter. Da
schlägt es Mitternacht, alle Lichter erlöschen, die Mauern
erzittern, Regen stürzt hernieder und ein furchtbares
Gewitter bricht los. Mit offenem Hahn liegt das Fässchen des
verschwundenen Warners, endlose Fluten entströmen ihm. Sie
dringen in alle Räume und strömen fort, bis sie die ganze
Stadt und die ganze Gegend überschwemmt und ihre
frevelnden Bewohner ertränkt haben. So entstand der
Wörthersee. Städte, Kirchen und Dörfer liegen in seiner
unergründlichen Tiefe begraben, riesige Fische und
Wasserschlangen hausen in den alten Palästen.
Franz Pehr, Kärntner Sagen. Klagenfurt 1913, 5. Auflage,
Klagenfurt 1960, Nr. 8, S. 22
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